Finanzen der Universität und Universitätsfonds

0.1.Die Finanzen

Siegel der Universität 1511

Ein wichtiger Aspekt, den jeder Landesherr schon vor der eigentlichen Gründung der Universität bedenken musste, war die Frage der Finanzierung. Universitäten kosteten Geld, es mussten Gebäude zur Verfügung gestellt werden, Mobiliar, Unterrichtsmaterial, Bücher, im 15. Jahrhundert noch Luxusgegenstände, und vor allem Personal. Die Kosten waren von Anfang an immens. Da Universitäten im Spätmittelalter eng an die katholische Kirche gebunden waren, wurde die Finanzierung oft von der römischen Kurie festgelegt, die sich wiederum vom Klerus vor Ort informieren und beraten ließen. Es galt dabei, die Universität mit genügend Einnahmen auszustatten, dass sie im besten Fall finanziell autark wurde. Meist jedoch wurde von den jeweiligen Landesherren eigene Kassen errichtet, um den Unterhalt der ansässigen Universität zu sichern.
Im Fall der Mainzer kurfürstlichen Universität wurden in der päpstlichen Gründungsbulle 14 Lektoralpräbenden festgelegt, mittels derer die Dozenten ihr Gehalt beziehen sollten. Präbende waren Pfründe einzelner umliegender geistlicher Stifte, die an die Lehrkräfte der Universität verteilt wurden. Die Pfründe waren sowohl mit Naturalien- und Geldeinnahmen ausgestattet. Der Erzbischof setzte die Lehrkräfte der Universität in die Präbende ein, nachdem die Fakultäten einen Vorentscheid getroffen hatten. Bei Beschwerden hatte der Erzbischof auch die Macht, die Einsetzung wieder rückgängig zu machen. Erst 1488 waren alle Präbenden mit Dozenten der Uni besetzt, da man stets warten musste, bis die vorigen Inhaber ihre Posten verloren oder aufgaben.

0.2.Probleme der Finanzierung

Diese Art der Finanzierung führte jedoch schon früh zu Problemen. Die Stiftsgeistlichen wehrten sich so gut es ging gegen die Zuweisung zur Universität, da man darin einen Verlust der eigenen Einnahmen ohne passende Kompensation sah. Die Präbenden waren auch mit gewissen Pflichten verbunden, da der Universitätsprofessor offiziell auch als Kanoniker seinen Dienst zu verrichten hatte, zum Beispiel durch Abhalten von Gottesdiensten. Dies zog zugleich mit sich, dass jeder Dozent auch Geistlicher sein musste, um sich für eine Lektoralpräbende zu qualifizieren. Diese beiden Posten waren üblicherweise unvereinbar. Die Stifte lagen meist außerhalb der Stadt, in diesem Falle lagen nur sieben Stiftskirchen in Mainz, zwei in Frankfurt, eine in Aschaffenburg, eine in Fritzlar, eine in Bingen und eine in Oppenheim.Nur wenige Dozenten kamen ihrer Rolle als Kanoniker nach und besuchten manchmal das Stift oder ihren dortigen Posten überhaupt nicht, zogen aber die mit der Stelle verbundenen Einnahmen ein. Dies führte zu einer steigenden Zahlungsunwilligkeit der Stifte, zumal keine festen Geldsummen festgelegt waren. Dadurch war die Universität in ihrer Finanzierung von der Kooperationsbereitschaft der Stiftsgeistlichkeit abhängig, und wie sich schnell zeigte, deckte sich diese nicht mit den finanziellen Bedürfnissen der Universität.

0.3.Reformversuche

Wie früh sich der Geldmangel bemerkbar machte, zeigen die Bemühungen des Erzbischofs Gemmingen 1508, das kleine St. Mauritiusstift aufzulösen um die Einnahmen der Universität aufzubessern. Der städtische Klerus blockierte die Versuche und wies zugleich die Vorwürfe der Universität über die Zahlungsunwilligkeit der Stifte zurück. Die Situation sollte sich in den nächsten 280 nicht grundlegend ändern. 1511 wurden die Präbenden konkreten Fakultäten zugeordnet, um den Haushalt der Universität besser zu strukturieren. Dabei erhielt die philosophische Fakultät 7, die theologische Fakultät 2, die juristische Fakultät 4 und die medizinische Fakultät 1 Präbende zugeordnet. 1514 bittet die Universität erfolgreich um Bestätigung ihrer Privilegien, um unter anderem seine Geldansprüche gegenüber den Stiften zu bekräftigen. Nach lange schwankenden Zahlungen und vielen Auseinandersetzungen legte Erzbischof Albrecht von Brandenburg in Einzelverträgen jährliche Quoten für die Stifte fest. Doch auch diese Zahlungen waren nicht verlässlich und vielen teilweise für Jahre und gar Jahrzehnte aus.
Zudem versuchten die Stifte zunehmend, sich in die Besetzung der Lehrstühle einzumischen und eigene Leute einzusetzen, um die eigenen Verluste zu minimieren. Dabei wurde selten auf die Kompetenz als Lehrkraft geachtet. Schon Mitte des 16. Jahrhunderts wurden die Schwierigkeiten gravierend, manche Lehrstühle wurden gar nicht mehr besetzt, da sich die Stifte weigerten, ein Gehalt auszuzahlen, oder weil die Dozenten mit der Bezahlung unzufrieden waren und die Universität verließen. In dieser Situation wurden die Jesuiten von Erzbischof Daniel Brendel nach Mainz geholt, um die Universität vor dem Zerfall zu retten. Die Jesuiten erhielten ihr jährliches Salär von der kurfürstlichen Hofkammer, d.h. der Erzbischof bezahlte die Jesuiten aus seinem eigenen Haushalt.
Es folgten im Laufe der Jahrzehnte mehrere Reformversuche, um die Finanzen der Universität aufzubessern, die meisten scheiterten jedoch am Widerstand des Klerus, da sie nicht bereit waren, mehr zu zahlen. Zudem benötigten die Erzbischöfe die Erlaubnis des Papstes, um den Klerus zusätzlich zu besteuern oder Klöster gar ganz aufzulösen. Einen ersten großen Erfolg erzielte Erzbischof Franz von Schönborn mit Hilfe Papst Clemens XI. Dieser legte 1713 in der Extinktionsbulle fest, dass 16 Kanonikate und Stiftspräbende aufgelöst und ihre Einkünfte der Universität zugeschrieben werden sollten. Damit war der erste, wenn auch kurzlebige Mainzer Universitätsfonds entstanden, mit welchem vor allem die Fakultäten für Jura und Medizin aufgebessert werden sollten, ebenso wie die Universitätsbibliothek. 1731 wurde die Bulle unter Erzbischof Franz Ludwig von Neuburg zurückgenommen. Er gab sich mit einer jährlichen Zahlung von 1400 Gulden zufrieden, welche bei weitem nicht ausreichten, die gesamte Universität zu finanzieren, zumal darin auch die Abgaben der 14 Lektoralpräbenden beinhaltet waren.
Erzbischof Ostein sandte 1751 eine Bitte an Rom um bessere Finanzierung. Sein Vorschlag lautete, die 14 Lektoralpräbende sowie zwei weitere Präbende aufzulösen und die Einnahmen der Universität zu übergeben. Man erhoffte sich damit eine jährliche Einnahmequelle von 3550 Gulden. Außerdem sollten 9 Mainzer Männerklöster für 1900 Gulden jährlich und 15 Frauenklöster für 1455 Gulden jährlich besteuert werden. Insgesamt würden die Einnahmen der Universität verfünffachen werden. Der Papst bewilligte die Sondersteuer nicht, sondern erlaubte nur das Einsammeln freiwilliger Abgaben der geistlichen Einrichtungen. Diese blieben aus, die Klöster verweigerten die Zahlung. Weitere Briefe an die Kurie blieben ergebnislos, sodass Ostein seine Bemühungen schließlich abbrach.
Erzbischof Emmerich Josef von Breidbach zu Bürresheim machte erstmals den Vorschlag eines festen Universitätsfonds. Er sandte 1764 dem Papst den Vorschlag für eine Bulle, laut welcher alle Stifte und Klöster im Mainzer Territorium eine Sondersteuer zahlen sollten, die der Universität zu Gute kommen sollte. Die Höhe der Steuer sollte sich nach dem Bedarf der Universität richten und variabel bleiben. Der Protest beim Klerus war groß, und nach langen Verhandlungen lehnte der Papst den Vorschlag ab. Andere Projekte des Erzbischofs, um die Finanzierung der Universität zu verbessern, umfassten auch die Gründung einer Zeitung, deren Erlös an die Universität gehen sollte. Diese „Mainzer Privilegierte Zeitung“ war eine Weile relativ erfolgreich, ging dann aber bald wieder ein.

0.4.Der Universitätsfonds

0.5.Verhandlungen mit Kaiser und Papst

Urkunde zur Aufhebung der drei Klosteraufhebung Altmünster, Karthause, Reichsklara vom 15.11.1781[Bild: Stadtarchiv Mainz]

Hofkanzler Anselm von Bentzel begann mit Erlaubnis von Breidbach zu Bürresheim 1771 ein Projekt zur Reformierung der Finanzen der Universität. Er wollte 25.000 Gulden an Steuern vom Klerus eintreiben, scheitert aber wieder am Widerstand der Geistlichkeit. 1774 wurde die Idee aufgegriffen, einige Klöster zu säkularisieren und ihre Einnahmen sowie ihren Besitz in einem Universitätsfonds anzulegen. Im Blick hatte man dabei drei der reichsten Klöster des Territoriums: die Karthause, ein Männerkloster innerhalb der Stadt Mainz, Altmünster, und Reichsklara, das als das bestausgestattete Kurmainzer Nonnenkloster galt. Der Tod des Erzbischofs verzögerte die Pläne, bis sie von seinem Nachfolger Erthal wieder aufgegriffen wurden.
Zum Regierungsantritt Erthals war die finanzielle Situation der einzelnen Fakultäten recht unterschiedlich. Es gab keine genau designierten Präbenden mehr, die jährlich vorgeschriebenen Zahlungen trafen nur selten in voller Höhe ein, wobei vor allem die juristische und medizinische Fakultät auf dieses Geld angewiesen waren. Die philosophische Fakultät besaß Weinberge in Bingen und konnte den eigenen Haushalt durch die Erlöse aufbessern, während die theologische Fakultät ihre Gehälter aus den noch immer bestehenden Jesuitenfonds zog, der etwa 1600 Gulden umfasste. Die theologische Fakultät besaß außerdem das Haus Schenkenberg, welches auch als Burse diente, und deren Wert auf 900 Gulden berechnet wurde. Im Übrigen schuldete die Hofkammer der Fakultät noch 1200 Gulden, die sie sich einst ausgeliehen hatte, doch das Geld wurde nie zurückbezahlt.
Erthal plante ebenfalls die Auflösung von vier Klöstern zur Errichtung eines Universitätsfonds. Spätestens 1778 begann er mit der Umsetzung dieses Unternehmens, indem er den Diplomat Graf Sickingen nach Wien sandte, um dort seinen Plan dem Kaiser vorzutragen. Die Säkularisation würde letztlich die Erlaubnis des Papstes bedürfen, und um diesen zu überzeugen, hoffte Erthal auf Unterstützung vom Wiener Hof. Um den Wunsch nach Säkularisation zu rechtfertigen, reichten die finanziellen Nöte der Universität nicht aus. Daher begann Erthal eine Kampagne, die von ihm ins Auge gefassten Klöster zu diffamieren, indem er ihnen Verfall von Disziplin und Klosterzucht vorwarf. Es wurde eine regelrechte Verleumdungskampagne gestartet, bei der Mönche bestochen wurden, öffentlich Ungehorsam zu zeigen. Schließlich wurde der Prior der Karthäuser abgesetzt. Außerdem gab er an, dass es zu viele Frauenklöster gäbe und sie überflüssig seien, sodass die Säkularisation von ein oder zwei Klöstern keinen Schaden bringen würde. Der mögliche Gewinn aus den vier Klöstern wurde auf 40.000 Gulden berechnet, wobei anfangs die zwei Karthäuserklöster in Mainz und Erfurt, das Altmünster und Dahlheim vorgesehen waren.
Nach längerer Wartezeit gab Kaiser Joseph II im Sommer 1779 seine Zustimmung zum Vorhaben. Daraufhin beginnen Verhandlungen mit der Kurie in Rom, die sich noch bis 1781 hinzogen. Erschwert werden die Verhandlungen durch Streitigkeiten zwischen dem Erzbischof und der Kurie auf anderen Gebieten. Erthal versuchte, sich unbeschränktes Dispensationsrecht in seinem Gebiet zu sichern, was der Papst strikt ablehnte, da Erthal damit Befugnis bekommen würde, sich und andere wann immer gewünscht vom Kirchenrecht auszunehmen.
Offiziell wurde dem Papst schließlich am 3.4.1781 der Plan vorgestellt, als dieser sich für persönliche Verhandlungen bereit erklärte. Die Zahl der zu säkularisierenden Klöster war bereits auf drei gesunken, da sich die Mainzer Seite mehr Spielraum erhoffte. Der Papst holte ausführliche Erkundungen über den Besitz der Klöster ein, was Mainz zu verhindern suchte, da sie den tatsächlichen Wert herunterspielten. Es sollte aussehen, als würde der Kirche so gut wie kein Verlust drohen, wenn die Klöster aufgehoben werden sollten. Zusätzliche Schwierigkeiten bereitete die Lage der Besitzungen der Klöster. Die Mainzer Karthäuser besaßen Land hauptsächlich im Gebiet der Kurpfalz, welche nun Anspruch auf diese erhob. Damit wäre der Gewinn aus der Säkularisation für Mainz stark verringert. Die Kurpfalz sandte nun selbst Diplomaten nach Rom, um den Papst für ihre Seite zu gewinnen. Man plante, die güter der Karthäuser der eigenen Landesuniversität in Heidelberg zukommen zu lassen. Nach mehreren Monaten gab der Papst den Forderungen Erthals nach. Ein offizielle Breve vom 24.8.1781 erklärte die Auflösung der drei Klöster Karthäuser, Altmünster und Reichsklara, welche an Stelle des Dahlheimer Frauenklosters säkularisiert wurde. Alle Güter wurden der Universität zugeschrieben, jedoch musste Kurmainz 35.000 gulden an die Kurpfalz zahlen, damit diese die Besitzungen der Karthäuser freigaben. In den folgenden Visitationen der Klöster wurde das gesamte Vermögen auf etwa drei Millionen Gulden geschätzt, eine immense Summe, mit welcher der Universitätsfonds gegründet wurde. Sämtliche Sachwerte der Klöster wurden in Geld umgewandelt, Klostergüter wie Weinberge und Handwerksbetriebe versteigert und das Land verpachtet. Damit war ein konstantes Einkommen für den Fonds gesichert.

0.6.Verwendung

Auch wenn der Universitätsfonds für den Gebrauch der Universität entstand, übernahm er anfangs auch die Versorgung der Nonnen und Mönche der säkularisierten Klöster und stattete sie mit Pensionen aus. Die mit der Verwaltung betrauten Kommissionen wechselten häufig, der Erzbischof und Kurfürst blieb aber die letzte Kontrollinstanz. Es wurden Stipendien eingerichtet und Geld für bedürftige Studenten zur Verfügung gestellt. Der Fonds kümmerte sich auch die Gehälter der Universitätsangehörigen und die Instandhaltung der Räumlichkeiten. Während der französischen Besatzung wurde der Fonds für militärische Zwecke beschlagnahmt, dann aber wieder freigegeben. Er wurde für Staatsgut erklärt und die Regel aufgestellt, dass sein Geld nicht mehr für außeruniversitäre Zwecke verwendet werden durfte.
Nachdem sich die Universität auflöste, blieb der Fonds weiter bestehen und unterstützte andere Bildungseinrichtungen wie städtische Gymnasien. Auch stellte er einige Stipendien für die Landesuniversität Gießen. Sie war die einzige Universität des Großherzogtums Hessen-Darmstadt, zu dessen Territorium nach dem Wiener Kongress auch Mainz zugeschlagen wurde. Der Universitätsfonds besteht inzwischen weit über dreihundert Jahre und hat seit der Gründung der Johannes Gutenberg-Universität seine ursprüngliche Arbeit aufgenommen und finanziert verschiedene Projekte der Universität.

Nachweise

Literatur:

Fuchs, Konrad: Zur Bedeutung des Mainzer Universitätsfonds für die kurfürstliche hohe Schule. In: Tradition und Gegenwart. Aus der Zeit der kurfürstlichen Universität. Hrsg. von Weber, Hermann. Wiesbaden 1977.

Jakobi, Ernst: Die Entstehung des Mainzer Universitätsfonds von 1781. Ein Beitrag zur Geschichte der Alten Universität Mainz. Wiesbaden 1959.

Just, Leo; Mathy, Helmut: Die Universität Mainz. Grundzüge ihrer Geschichte. Mainz 1965.

Metzner, Heinrich: Die alte Universität Mainz. In: Die Alte Mainzer Universität. Gedenkschrift anlässlich der Wiedereröffnung der Universität in Mainz als Johannes-Gutenberg-Universität. Mainz 1946.

Stiftung des Mainzer Universitätsfonds (Hrsg.): 225 Jahre Stiftung Mainzer Universitätsfonds. Festschrift zur 225 Jahrfeier der Stiftung Mainzer Universitätsfonds 1781-2006. Mainz 2006.

 

Red. Bearb. Juliane Märker 20.08.2012