Die Gebäude der alten Universität Mainz

0.1.Die Bursen

Der Algesheimer Hof heute[Bild: Katharina Thielen]

Um eine Universität zu errichten, braucht es auch die passende Unterbringung. Da im Mittelalter Studenten und Dozenten in Bursen zusammen lebten und lernten, mussten für sie Unterkünfte gefunden werden, die mehrere Dutzend Menschen beherbergen konnten und passende Räumlichkeiten für den Unterricht besaßen.

 

0.2.Der Hof Zum Algesheimer

Als Diether von Isenburg 1477 die Mainzer kurfürstliche Universität gründete, waren in der Stadt die Spuren der Zerstörung durch die Mainzer Stiftsfehde 1461/62 noch überall zu sehen. Viele Patrizierfamilien waren geflohen oder verbannt worden, und ihre großzügigen Wohnhäuser und Anwesen standen leer, viele waren von Erzbischof Adolf von Nassau beschlagnahmt worden. Eben eines dieser Patrizierhäuser, der Hof Zum Algesheimer stellte Isenburg der Universität als erste Burse zur Verfügung. Interessant ist auch, dass dieses Haus Johannes Gutenberg in seinen letzten Jahren 1465-1468 als Wohnhaus diente.
Wie viele Menschen genau in der Burse untergebracht wurden, ist heute nicht mehr festzustellen, nachweislich lebten jedoch Mitglieder der medizinischen, theologischen und juristischen Fakultät im Hof Zum Algesheimer. Manche Studenten und Dozenten, vor allem solche, die selbst aus Mainz stammten oder anderweitig eigene Unterkünfte in Mainz besaßen, lebten nicht in den Bursen, sondern besuchten sie nur für den Unterricht. Es brauchte jedoch eine gesonderte Erlaubnis der Universität, um außerhalb der Burse zu leben.
Der Hof Zum Algesheimer war gerade in der Anfangszeit der Universität ein zentrales Gebäude, hier fanden auch die Senatssitzungen und Promotionen statt, sowie universitätsinterne Feste. Mit der wachsenden Zahl der Studenten war bald eine Erweiterung der Räumlichkeiten nötig, und die benachbarten Häuser Bechermontz und Frauwinstein wurden gekauft und der Burse einverleibt. Als 1562 die Jesuiten den Lehrbetrieb übernahmen, wurde ihnen auch der Hof Zum Algesheimer zur Verfügung gestellt. Sie nutzen es vor allem als Lehrgebäude. 1567 ging das Haus offiziell in Besitz des Jesuitenordens über. Während des Dreißigjährigen Krieges und wurde die Burse 1631 von den Schweden beschlagnahmt, die die Stadt eingenommen hatten. Es wurden Werkstätten für Schmied und Zimmermann eingerichtet und nicht benötigte Teile des Hauses abgebrochen. Nach Abzug der Truppen übernahmen die Jesuiten aber wieder das Gebäude und richteten 1648 ein Noviziat ein. Der Hof Zum Algesheimer besaß ab dieser Zeit aber keine direkte Verbindung mehr zum Universitätsbetrieb, und wurde 1726 endgültig abgerissen.

0.3.Das Haus zum Gutenberg

Auch dieses Patrizierhaus war 1462 von Adolf von Nassau beschlagnahmt worden und wurde der Universität von Diether von Isenburg zugewiesen. Es wird vermutet, dass es sich dabei um das Stammhaus der Mutter Johannes von Gutenbergs handelt, wie sich schon vom Namen ableiten lässt. Auch die Buchdruckerwerkstatt Gutenbergs soll sich in diesem Haus befunden haben. Vermutlich wurde diese Burse einige Zeit nach der Burse Zum Algesheimer gegründet, da hier nur Juristen untergebracht waren, welche nachweislich zuvor aber auch in der ersten Burse gelebt hatten. Auch war die Burse um einiges kleiner, da sie nur eine einzige Fakultät beherbergte. Jedoch wurde auch das Haus zum Gutenberg 1631 von den Schweden beschlagnahmt und noch vor ihrem Abzug zerstört. 1661 errichtete an dieser Stelle der kurfürstliche Kanzler von Mehl ein privates Wohnhaus, neue Verbindungen zur Universität gab es nicht.

0.4.Der Hof zum Schenkenberg

Portal Laufenberg um 1900

Auch hier handelt es sich um ein ehemaliges Patrizierhaus, die Familie Jostenhofer hatte es vor der Stiftsfehde bewohnt. Anders als bei den Bursen Zum Algesheimer und Zu Gutenberg war die Burse nicht vom Erzbischof zur Verfügung gestellt, sondern von der philosophischen Fakultät eigenmächtig gekauft worden. Hintergrund waren Auseinandersetzungen innerhalb der philosophischen Fakultät. Es gab zwei verschiedene Schulen in der Philosophie, welche sich an den europäischen Universitäten etabliert hatten, genannt via moderna und via antiqua, die sich in grundlegenden Definitionen sowie den bevorzugten Unterrichtsmethoden und Lehrplänen unterschieden. Zwischen den beiden Schulen bestand eine scharfe Konkurrenz. Im Falle von Mainz entschlossen sich die Anhänger der via antiqua, eine eigene Burse einzurichten. Es ist nicht gesichert, ab wann sie das Haus zum Schenkenberg als eigene Burse nutzten, vermutlich mieteten sie das Haus ab 1482, bevor sie es schließlich 1509 für 330 Gulden kauften. Neben den Philosophen waren auch die medizinische Fakultät in dem Haus untergebracht. Aufgrund steigender Studentenzahl musste auch der Hof zum Schenkenberg bald erweitert werden, 1520 wurde das benachbarte Haus Laufenberg mit Erlaubnis des Kurfürsten Albrecht von Brandenburg gekauft. Nach Ankunft der Jesuiten 1562, die die Burse Zum Algesheimer beschlagnahmten, war der Hof zum Schenkenberg das einzige Universitätsgebäude, in dem aktiv Unterricht stattfand, und blieb dies bis 1618. Bis 1740 blieb der Hof zum Schenkenberg eine Burse, dann zogen Studenten und Dozenten in neue Räumlichkeiten auf der Großen Bleiche und gründeten die Burse am Neuen Brunnen. Der Hof zum Schenkenberg wurde zuerst an einen Herr Noel vermietet, der dort 1767 ein Cafe einrichtete, und wurde schließlich für 13.000 Gulden –weitaus mehr als der ursprüngliche Preis von 330 Gulden- an die Altenauer Mädchenschulstiftung verkauft.

0.5.Am Neuen Brunnen/Große Bleiche 27

Burse am Neuen Brunnen 1728

Die neue Burse war zwischen 1710 und 1720 als Wohnhaus errichtet worden und wurde von der Universität für 13.000 Gulden gekauft. Es war nur eine räumliche Veränderung, Privilegien, Regeln und Personal blieben gleich. Ebenfalls in der neuen Burse untergebracht war die Universitätsbibliothek, die damals noch keine 7000 Bände umfasste, und der Universitätskarzer. Der Karzer war eine Arrestzelle für die Universitätsmitglieder –vor allem Studenten-, die gegen die ihnen auferlegten Regeln verstoßen hatten. Ab 1783 wurde das Obergeschoß der Burse für Vorlesungen in Jura und Medizin verwendet sowie für Senatssitzungen, Examina, Promotionen und Disputationen.

0.6.Domus Universitatis und Jesuitennoviziat

Domus Universitatis heute[Bild: Stefan Dumont]

Domus Universitatis
Der Domus Universitatis war von der Universität in Auftrag gegeben worden und wurde von 1615 bis 1618 erbaut. Die Jesuiten, die damals die Universität leiteten, liehen sich dafür Geld von der philosophischen Fakultät, etwa 100 Gulden. Insgesamt kostete der Bau 20.000 Reichstaler. Darin wurden dann Unterrichtsräume für die Theologen und Philosophen eingerichtet, also der beiden Fakultäten, die von den Jesuiten geleitet und gefördert wurden. Ebenfalls dort untergebracht war eine Lateinschule, die alle Studenten zu absolvieren hatten. Es gab eine direkte Verbindung zum benachbarten Jesuitenkolleg, in welchem Mitglieder des Jesuitenordens ausgebildet wurden. Insgesamt besaß der Domus Universitatis 10 Hörsäle und war eine Zeit lang das höchste Haus der Stadt, Dom und Kirchen natürlich ausgenommen. 1773 wurden alle Jesuitenniederlassungen in Mainz aufgehoben und der Universität übergeben. 1781 öffnete diese den Domus Universitatis für alle Fakultäten und wurde zum zentralen Unterrichtsort der Universität. Hier wurden 1784 auch die Feierlichkeiten zur Neueröffnung der reformierten Universität begangen. Während der Besatzung durch die Franzosen 1798 wurde das Haus in eine Kaserne umgewandelt und blieb dies bis 1889. Heute beherbergt es unter anderem das Institut für Europäische Geschichte.

Jesuitennoviziat/Invalidenhaus
Nach der Auflösung der Universität und Flucht von Teilen des Personals nach Aschaffenburg fand der Unterricht der verbliebenen Dozenten und Studenten im ehemaligen Jesuitennoviziat statt, welches 1715 bis 1717 errichtet worden war. Es war mit dem ehemaligen Algesheimer Hof verbunden, der 1726 von den Jesuiten wieder aufgebaut worden war. Nach Auflösung des Jesuitenordens 1773 wurde es vom Priesterseminar besetzt und diente dem Klerus als Ausbildungsstätte. Am längsten bleiben die Mediziner in Mainz aktiv, sie nutzten bis 1817 das Haus für ihren Unterricht, bis sich auch die letzten verbliebenen Dozenten und Studenten verstreuten.

0.7.Universitätsbibliothek

Schon zur Gründung der Universität 1477 wurde eine dazugehörige Bibliothek als communis liberaria universitatis eingerichtet. Bis 1740 befand sie sich in der Burse Schenkenberg, bevor sie in der Burse am Neuen Brunnen untergebracht wurde. Bis dahin war die Bibliothek ur langsam gewachsen, meist durch Schenkungen und Nachlässe ehemaliger Dozenten, die ihren Privatbestand der Universität stifteten und erreichte kaum einen Bestand von 7.000 Bänden. 1773 kamen die Bücher aus den Bibliotheken des frisch aufgelösten Jesuitenordens hinzu. Dabei handelte es sich um über 30.000 Bände, für die die Universität keine passenden Räumlichkeiten besaß. Notgedrungen ließ man die Bücher im Jesuitenkolleg, wo sie, ohne Pflege und Aufsicht, großen Schaden erlitten. 1781 wurde die Bibliothek der Karthäuser zur Burse am Neuen Brunnen gebracht und der Universitätsbibliothek hinzugefügt. Es gab mehrere Pläne, alle Bestände der Universität in einer zentralen Bibliothek an einen einzigen Ort zusammenzubringen, doch keiner der Pläne wurde je umgesetzt. Nach der offiziellen Auflösung der Universität wurden sämtliche Bestande der Bibliothek 1803 an die Stadt Mainz übergeben. Sie wurden in der ehemaligen Burse am Neuen Brunnen gebracht, da dort die Räumlichkeiten nun ausreichten, seitdem keine Räume mehr für Unterricht und Unterbringung der Studenten gebraucht wurden. 1845 wurden alle Bestände ins kurfürstliche Schloss überführt. Erst ab 1912 wurden die Bestände allmählich in einen Neubau am Rhein überführt, katalogisiert und geordnet. Inzwischen war der Bestand auf über 360.000 Bände angewachsen. Heute befindet sich dort die wissenschaftliche Mainzer Stadtbibliothek, welche sich um die Altbestände der Universität kümmert.

Nachweise

Literatur:

Just, Leo: Die alte Universität Mainz von 1477 bis 1798. Ein Überblick. Wiesbaden 1957.

Just, Leo; Mathy, Helmut: Die Universität Mainz. Grundzüge ihrer Geschichte. Mainz 1965.

Metzner, Heinrich: Die alte Universität Mainz. In: Die Alte Mainzer Universität. Gedenkschrift anlässlich der Wiedereröffnung der Universität in Mainz als Johannes-Gutenberg-Universität. Mainz 1946.

Ruppel, Aloys: Die Lehrstätten der alten Mainzer Universität. In: Die Alte Mainzer Universität. Gedenkschrift anlässlich der Wiedereröffnung der Universität in Mainz als Johannes-Gutenberg-Universität. Mainz 1946.

Steiner, Jürgen: Die Artistenfakultät der Universität Mainz 1477-1562. Stuttgart 1988.

 

Red. Bearb. Juliane Märker 20.08.2012