Emmerich Joseph von Breidbach-Bürresheim
*1708; † 11.6.1774
Erzbischof 1763 -1774
 
Der neue Erzbischof, der bisherige Domkustos, musste in der ihm abgeforderten Wahlkapitulation u.a. versprechen, dem Domkapitel mehr Einfluss im Geheimen Rat einzuräumen. Damit sollte vermieden werden, dass der Kurstaat nochmals in einen Krieg mit einer so aktiven Beteiligung wie unter seinem Vorgänger hineingezogen würde. Die Sanierung der zerrütteten Staatsfinanzen war eine der dringendsten Aufgaben, die Erzbischof Emmerich Joseph zu lösen hatte. Dies gelang ihm durch eine kluge Finanz- und Wirtschaftspolitik. Er ergriff wirkungsvolle Maßnahmen gegen die Teuerungen, vor allem der Lebensmittel, und förderte die Porzellanmanufaktur in Höchst. Grundsätzlich war Erzbischof Emmerich Joseph auf einen friedlichen Ausgleich der Interessen bedacht.
Dies entsprach auch seiner den Ideen der Aufklärung verbunden Lebensauffassung. Die von ihm im veranlassten Veränderungen im kulturellen Bereich waren jedoch einschneidend und bedeuteten einen Bruch mit der Tradition. So schränkte er die Vorrechte des Klerus, vor allem seine Steuerprivilegien, ein, erwog eine Aufhebung der Klöster, säkularisiere das Schulwesen und die Lehrerbildung. Die Aufhebung des Jesuitenordens durch den Papst im Jahr 1773 kam ihm gelegen. Dessen Vermögen verwandte er zur Finanzierung der Universität, die er im Sinne der Aufklärung zu reformieren begann. Weitere strittige Maßnahmen betrafen Formen der Volksfrömmigkeit wie die Einschränkung des Andachtswesens, der Prozessionen, Wallfahrten und kirchlichen Feiertage. Erzbischof Emmerich Joseph war ein entschiedener Anhänger des Trierer Weihbischofs Johann Nicolaus von Hontheim und seiner Theorie des Episkopalismus, die eine Einschränkung des päpstlichen Primats anstrebte und in Konzil und Bischöfen die Träger der höchsten Autorität in der Kirche sieht. Joseph II. wurde von ihm in Frankfurt zum Kaiser gekrönt. Wie die meisten seiner Vorgänger wurde er auch zum Bischof von Worms (1768) gewählt. Erzbischof Emmerich Joseph war, obwohl seine Eingriffe in die tradierten Formen der Volksreligion nicht gebilligt wurden, dennoch wegen seiner Jovialität, Natürlichkeit, Menschlichkeit beim Volk beliebt. Seine forcierte aufgeklärte Reformpolitik, hatte ihn anderseits besonders in konservativen Kreisen missliebig gemacht. (wm)

Entnommen aus:

Institut für geschichtliche Landeskunde (Hrsg.): 2000 Jahre Mainz. Geschichte der Stadt -digital. Mainz 2001. CD-ROM

 

Red. Bearb. Juliane Märker 24.08.2012