Lothar Franz von Schönborn
*1655 Aschaffenburg, † 30.1.1729 Mainz
Erzbischof 1695-1729
Lothar Franz von Schönborn wurde in der kurmainzischen Zweitresidenz Aschaffenburg geboren. Als Koadjutor seines Vorgängers konnte der Fürstbischof von Bamberg sein neues Amt als Erzbischof und Kurfürst von Mainz sofort antreten. Und er bot mit seinem pompösen Einzug in seine neue Residenz deren Bewohnern nicht nur ein barockes Schauspiel, sondern demonstrierte ihnen zugleich sein absolutistisches und auf Repräsentation bedachtes Herrscherverständnis. Schon zu Beginn seiner Regierung widmete sich Schönborn der alten Mainzer Universität. Er erreichte 1704 beim Papst die Ausstellung einer Extinkitonsbulle, mit der er die alten Lektoralpräbenden umwandeln konnte in jährliche Zahlungsverpflichtungen, die um einiges höher angelegt waren als die bisherigen Abgaben der Stiftskirchen. Die verbesserte finanzielle Situation der Universität sollte vor allem der juristischen und medizinischen Fakultät zu Gute kommen.

Der Schönborner hielt im Gegensatz zu seinem Vorgänger nichts von einer wankelmütigen Neutralitätspolitik und setzte ganz auf Kaiser und Reich. Er ließ die strategisch so bedeutsame Festung Mainz weiter ausbauen und durch Truppen des Reiches und des Kaisers sichern, da die militärischen Möglichkeiten des Kurstaates nicht ausreichten, um das gewaltige Bollwerk am Rhein allein gegen eine Belagerungsarmee zu verteidigen. Das Ende des Pfälzischen Erbfolgekrieges im Frieden von Rijswijk (1697) verminderte zwar die Kriegsgefahr, aber beseitigt wurde sie erst mit der Beendigung des Spanischen Erbfolgekrieges im Frieden von Utrecht 1712/13. Die ausgebluteten und ausgeplünderten Menschen in Stadt und Land konnten vorerst aufatmen. Mit Vehemenz und diplomatischem Geschick nahm Lothar Franz seine Aufgaben als Kurfürst und Reichserzkanzler wahr. Er stand loyal zum Kaiser und vertrat gleichzeitig ihm gegenüber die Positionen der Reichsstände (Frankfurter Assoziation 1687). 1711 krönte er Franz I. im Frankfurter Dom zum Kaiser. Lothar Franz betrieb eine überaus erfolgreiche Familienpolitik. Seine Neffen regierten zwischen 1700 und 1740 die geistlichen Fürstentümer von Bamberg, Würzburg, Speyer, Konstanz, Trier, Worms und Ellwangen. Alle pflegten den aufwendigen und repräsentativen Stil des absolutistischen Herrschers und waren vom schönbornischen "Bauwurmb", der zugleich auch ein beachtliches Programm zur Wirtschaftsförderung und Arbeitsbeschaffung nach sich zog, besessen. Dessen Spuren sind in ihren Residenzstädten bis heute erkennbar. Künstler wie die Baumeister Leonhard und Johann Dientzenhofer, Balthasar Neumann und Maximilian von Welsch standen im Dienst der Schönborner Mäzenaten. In Mainz ließ Lothar Franz im Süden der Stadt die 1793 zerstörte Schloss- und Gartenanlage "Favorite" erbauen. Der "Landesvater" sorgte aber auch für den Bau von Wasserleitungen und Brunnenanlagen (Neuer Brunnen). Nachdem er 1720 eine Armenkommission einberufen hatte mit dem Ziel, alleinstehenden, verarmten oder erkrankten Menschen ein Zuhause zu verschaffen, begann er ein Jahr später mit dem Bau eines kurfürstlichen Armenhauses, dem St. Rochusspital. Dieses vereinigte zugleich die Aufgaben eines Armen-, Waisen-, Kranken- und Arbeitshauses und versorgte durchschnittlich etwa 400 bedürftige Menschen. Manufakturgründungen fördert der Kurfürst in Lohr (Spessart) und in Erfurt. Kurfürst Lothar Franz überließ die geistliche Leitung seines Erzbistums weitgehend seinen Weihbischöfen. Sein absolutistischer Regierungsstil missachtete durchweg die Mitspracherechte des Domkapitels. Dieses beendete auch die Herrschaft der Schönborner im Kurstaat, in dem es nicht, wie es Amtsinhaber erwartete, einen seiner Neffen zum Koadjutor wählte. Er wurde im Dom zu Mainz bestattet. (wm/jm)

Entnommen aus:

Institut für geschichtliche Landeskunde (Hrsg.): 2000 Jahre Mainz. Geschichte der Stadt -digital. Mainz 2001. CD-ROM

 

Red. Bearb. Juliane Märker 24.08.2012