Franz Ludwig von Pfalz-Neuburg
*1664, † 18.4.1732 Mainz
Erzbischof 1729-1732
Der vom Domkapitel zum Koadjutor und damit zum Nachfolger Lothar Franz von Schönborn gewählte Prinz aus dem Hause Fürstenhaus Wittelsbach, ein Schwager Kaiser Leopolds I. und ein Bruder Kaiser Karls VII., stellte einen Höhepunkt des Zugriffs des Hochadels auf hohe kirchliche Ämter dar. Der nie zum Priester und Bischof geweihte Wittelsbacher hatte vor der Übernahme des Amtes als Mainzer Erzbischof und Kurfürst seit seinem 19. Lebensjahr zahlreiche Kirchenpfründen angesammelt. Er war Bischof von Breslau und Worms, Hoch- und Deutschmeister des Deutschen Ordens, Propst von Ellwangen und Erzbischof und Kurfürst von Trier, ein Amt, das vor Antritt des Mainzer Amtes niederlegen musste, da das Reichsrecht nicht erlaubte, dass zwei Kurstimmen sich in einer Hand befinden . Er vereinbarte mit den Stiftskirchen, die Präbenden an Universitätsprofessoren zu vergeben hatten, dass eine jährliche Pauschalzahlung von 1400 Gulden an Stelle der individuellen Gehaltszahlungen trat. Außerdem löste er den ersten Mainzer Universitätsfonds auf, wodurch die finanzielle Krise der Universität noch weiter verschärft wurde.
Wie sein Vorgänger ließ er die geistlichen Aufgaben von seinen Weihbischöfen ausführen. Die Bauarbeiten zum Deutschhaus, in dem sich heute Landtag und Landesregierung von Rheinland-Pfalz befinden, wurden während seiner Herrschaft begonnen. Seine persönliche Lebensführung gilt als tadellos und korrekt. Als Herrscher entfaltete er im Stil der Zeit eine pompöse und prunkvolle Repräsentation. Sein Grabmal befindet sich in der von ihm besonders favorisierten Bischofsstadt Breslau. (wm/jm)

Entnommen aus:

Institut für geschichtliche Landeskunde (Hrsg.): 2000 Jahre Mainz. Geschichte der Stadt -digital. Mainz 2001. CD-ROM

 

Red. Bearb. Juliane Märker 24.08.2012