Johann Friedrich Karl von Ostein
*1690, † 4.6.1763 Mainz
Erzbischof 1743-1763

Die Wahl des Domkustos Johann Friedrich Karl von Ostein, einem entschieden Anhänger der Habsburger, zeigte demonstrativ, auf wessen Seite im deutschen Thronstreit die Sympathien des Domkapitels lagen. Diese Sympathiebezeugung hatte durchaus auch einen praktischen Grund: die augenblickliche militärische Überlegenheit der Habsburger und ihrer Verbündeten der "Pragmatischen Armee". Die Menschen des Kurstaates hatten in den Jahren 1743 und 1744 wieder unter den kriegerischen Auseinandersetzungen, die auch auf ihrem Gebiet ausgetragen wurden, zu leiden. Nach dem Tode des Kaisers Karl VI. gelang es dem neuen Mainzer Kurfürst, den Frieden zwischen Österreich und Bayern zu vermitteln und 1745 die Kurfürsten zur Kaiserwahl nach Frankfurt einzuladen. Gewählt wurde Franz-Stephan von Lothringen-Toscana, der Gemahl Maria Theresias, der Erbherrscherin über alle habsburgisch-österreichischen Länder. 1746 veranlasste Ostein eine Universitätsreform, bei der die alten Privilegien erneuert und bekräftigt wurden.
Der Östereichische Erbfolgekrieg wurde zwar erst mit dem Frieden von Aachen 1748 beendet, Friede war aber im Reich bereits mit der neuen Kaiserwahl eingekehrt.
Erzbischof Johann Friedrich Karl von Ostein, ein väterlicher, gütiger und frommer Bischof, der liturgische und andere geistliche Handlungen im Gegensatz zu vielen seiner Vorgänger meist persönlich ausübte, hatte als Landesherr unter dem Einfluss seines Ministers Graf Stadion eine gezielte Wirtschaftspolitik im Sinne des Merkantilismus angestoßen.
Dazu gehörten Maßnahmen wie die Verleihung von Sonderrechten für die Schiffahrt, die Begünstigung von Messebeschickern und -besuchern, die Fortentwicklung des Stapelrechtes, die Privilegierung von Großkaufleuten und die Schaffung eines ordnungsrechtlichen Rahmens für Handel und Wandel. 374 "Policeyordnungen" hatte der Osteiner in den 20 Jahren seiner Regierungszeit erlassen. "Churfürstlich-Mayntzisches Land-Recht und Ordnung für sämtliche Churmainzische Landen..." hieß das Gesetzeswerk, das er 1755 veröffentlichen ließ. Es strebte die Rechtseinheit für die verschiedenen Landesteile an.
Der Nordflügel des Kurfürstlichen Schlosses, der Bassenheimer und Osteiner Hof erinnern noch heute an den tüchtigen Kurfürst, dem es nicht beschieden war die eingeleitete Entwicklung friedlich fortzuführen, denn wieder einmal hatte der Krieg zugeschlagen, und zwar der 1756 ausgebrochene Siebenjährige Krieg, der auch die kurmainzischen Gebiete in Thüringen und auf dem Eichsfeld berührte und finanziell den Kurstaat, der sich auch mit drei Regimentern an der Koalition gegen Preußen beteiligte, überforderte. (wm)

Entnommen aus:

Institut für geschichtliche Landeskunde (Hrsg.): 2000 Jahre Mainz. Geschichte der Stadt -digital. Mainz 2001. CD-ROM

 

Red. Bearb. Juliane Märker 24.08.2012