Prof. Anton Joseph Dorsch
* 11.6.1758 Heppenheim/Bergstraße, † April 1819 Paris
Mainzer Jakobiner


Dorsch nahm schon in jungen Jahren Verbindung zu Mainz auf, wo er von 1776 bis 1780 Philosophie und Theologie studierte. Dabei erwies er sich offenbar als außerordentlich begabt, erhielt er doch vom Kurfürsten ein Stipendium für weitere philosophische Studien in Paris. 1784 absolvierte er die Promotion in Theologie; zudem übertrug man ihm den Lehrstuhl für Philosophie an der Mainzer Universität. Seit 1789 nahm er weiterhin ein Kanonikat am Markusstift in Heiligenstadt wahr und widmete sich von nun an mehr und mehr der Lehre Kants sowie aufklärerischen und revolutionären Vorstellungen im allgemeinen. Daraufhin ging er 1791 nach Straßburg, wo er sich vollends zum überzeugten Jakobiner entwickelte.
Im November 1792 kehrte er in das seit dem 21. Oktober von den französischen Revolutionstruppen eingenommene Mainz zurück und bekleidete dort das einflussreiche Amt des Präsidenten der "Allgemeinen Administration". Weiterhin engagierte er sich für den Aufbau von Jakobinerklubs in Mainz, Worms und Speyer. Im revolutionären Rheinisch-Deutschen Nationalkonvent, der seit dem 17. März 1793 bestand, fungierte er als Deputierter für Neubamberg und zeichnete sich durch vielfachen Einsatz aus. Als Mitglied des Konvents war der Parlamentarier ebenfalls beteiligt an den historischen Beschlüssen über den Rheinisch-Deutschen Freistaat und den Anschluss an Frankreich.
Die drohende Einkesselung der Stadt durch deutsche Truppen zwang ihn jedoch am 30. März zur Flucht mit seinem Mitstreiter Georg Christian Wedekind. Dorsch wurde allerdings in Oppenheim gestellt und musste ins belagerte Mainz zurückkehren, das er erst im Juli 1793 nach der Kapitulation verlassen konnte. In Frankreich angelangt, stieg er in Paris zu einem angesehenen Mitarbeiter des Außenministeriums auf und übernahm ab 1798 mehrfach Stellen als hoher Verwaltungsbeamter am französischen Niederrhein. 1805 wurde er Steuerdirektor im Département Finisterre (Bretagne) und diente ab 1811 in gleicher Funktion im annektierten Münster. Infolge der deutschen Befreiungskriege 1813 erneut zur Flucht nach Paris genötigt, beantragte er drei Jahre später von dort aus doch noch einmal die Übernahme in den preußischen Staatsdienst, was aufgrund seiner politischen Vergangenheit allerdings abgelehnt wurde. Nach einem bewegten Leben starb er 1819 in Paris.

Entnommen aus:

Institut für geschichtliche Landeskunde (Hrsg.): 2000 Jahre Mainz. Geschichte der Stadt -digital. Mainz 2001. CD-ROM

 

Red. Bearb. Juliane Märker 24.08.2012