Prof. Georg Christian Wedekind
* 8.1.1761 Göttingen, † 28.10.1831 Darmstadt
Mainzer Jakobiner


Georg Christian Wedekind stammte aus aufgeklärtem Göttinger Gelehrtenmilieu, was vor seinem weiteren Lebensweg auch seine Ausbildung und Lehre bestimmte. So folgte dem Besuch des Gymnasiums ein Medizinstudium, welches er 1780 erfolgreich beendete. Durch zahlreiche Veröffentlichungen in Fachzeitschriften konnte er sich bald einen Namen machen, so dass der einflussreiche Kurmainzer Leibarzt Christof Ludwig Hoffmann auf ihn aufmerksam wurde und ihm 1787 zu der Stellung als Arzt des Kurfürsten und Professor der Therapie an der Universität verhalf. Trotz großem Rückhalt in der Studentenschaft konnte er sich jedoch am Hof nicht etablieren, Neid und Intrigen gelten als Anlass für seine baldige Entlassung.
Wedekind war literarisch sehr rege und veröffentlichte zahlreiche Aufsätze zu den verschiedensten medizinischen Themen. Er sprach sich als einer der ersten für die Kuhpockenschutzimpfung aus, mit welcher man die grassierenden Pockenepidemien in der deutschen Bevölkerung zu bremsen hoffte.
Diese Erfahrungen Wedekinds ließen ihn zum Gegner der bestehenden Regierungsform werden. Mit Beginn der französischen Revolution schloss er sich Mainzer revolutionären Kreisen an und verfolgte von dort aus die Entwicklungen im benachbarten Frankreich. Seine Stunde sah er mit dem Einzug der französischen Revolutionsarmee in Mainz am 21. Oktober 1792 gekommen. Noch am selben Tage beantragte er das französische Bürgerrecht, um zwei Tage darauf den Mainzer Jakobinerklub mitzugründen. Durch eine rege Aktivität in Wort und Schrift stieg er in Kürze zu dessen Präsident und führendem Theoretiker auf.
Sein Interesse galt vor allem der Vermittlung von Grundzügen einer repräsentativen Demokratie sowie seiner Idee von einer "Mainzer Revolution". In diesem Sinne lag es nahe, dass er dem am 17. März 1793 konstituierten Rheinisch-Deutschen Nationalkonvent angehörte, der als erstes modernes Parlament in Deutschland bezeichneten Versammlung, die in den folgenden Tagen den - ebenfalls erstmalig in der deutschen Geschichte - auf den Grundsätzen der modernen Demokratie beruhenden Rheinisch-Deutschen Freistaat proklamierte und den Anschluss an Frankreich beschloss.
In Anbetracht der Belagerung der Stadt Mainz durch deutsche Truppen floh er jedoch Ende März 1793 über Landau nach Straßburg, wo er sich als Militärarzt verdingte und weiterhin politisch engagierte, distanzierte sich jedoch nach der Herrschaft der Jakobiner von deren Auswüchsen. Nach der erneuten, nun offiziellen französischen Okkupation kehrte er 1798 nach Mainz zurück und war an der dortigen "Medizinischen Spezialschule" tätig.
Unter Napoleon zog er sich mehr und mehr aus dem politischen Leben zurück und nahm 1808 einen Ruf nach Darmstadt als Leibarzt des hessischen Großherzogs an. Die Ernennung zum Freiherr 1809 und eine den Adel anerkennende Schrift des Jahres 1816 standen in keinem Verhältnis mehr zum revolutionären Pathos der Mainzer Zeit. Fern von diesen Idealen starb er am 28. Oktober 1831 in Darmstadt.

Entnommen aus:

Institut für geschichtliche Landeskunde (Hrsg.): 2000 Jahre Mainz. Geschichte der Stadt -digital. Mainz 2001. CD-ROM

 

Red. Bearb. Juliane Märker 24.08.2012